Klein, kompakt und unkompliziert: Mehr als ein Glas Wasser braucht es nicht. Doch hinter Brausetabletten steckt weit mehr als ein einfacher Sprudeleffekt. Lebensmittelmagazin.de war beim Nahrungsergänzungsmittelhersteller Nutrilo in Cuxhaven und hat einen Blick hinter die Kulissen der Produktion geworfen.
Kaum liegt die Brausetablette im Wasserglas, beginnt sie zu zischen und zu sprudeln. Innerhalb sehr kurzer Zeit löst sie sich auf und macht aus einem Glas Wasser ein aromatisiertes Getränk mit Vitaminen oder Mineralstoffen. Hinter diesem alltäglichen Vorgang steckt jedoch erstaunlich viel Lebensmitteltechnologie.

Foto: Nutrilo
Vom Arzneimittel zur Nahrungsergänzung
Die Nutrilo GmbH in Cuxhaven beherrscht diese Technologie perfekt. Der Lohnhersteller entwickelt und produziert im Auftrag seiner Kunden unterschiedlichste Nahrungsergänzungsmittel – darunter Brausetabletten sowie die inzwischen ebenfalls etablierten Stickpacks und viele weitere Darreichungsformen.
Jessica Bessen, Prokuristin und Leiterin der Produktentwicklung und Qualitätskontrolle, erklärt: „Ursprünglich wurde die Brausetablette vor allem für medizinische Anwendungen entwickelt. Heute ist sie als Darreichungsform für Nahrungsergänzungsmittel fest etabliert. Mit dem Aufstieg der Drogeriemärkte und dem wachsenden Gesundheitsbewusstsein hat ihre Bedeutung in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich zugenommen – nicht zuletzt durch Trends wie Longevity.“
Ein Erfolgsmodell
Die Brausetablette in ihrer heutigen Form entwickelte der österreichische Chemiker Gerhard Gergely 1957 mit der ersten Vitamin-C-Brausetablette. Die Idee, Pulver und Kohlensäure miteinander zu verbinden, reicht allerdings weiter zurück: Bereits in den 1930er-Jahren machte Theodor Beltle mit der Ahoi-Brause das Brauseprinzip populär.
Heute gehören Brausetabletten zu den beliebtesten Darreichungsformen von Nahrungsergänzungsmitteln. Sie verbinden die Aufnahme von Flüssigkeit mit Vitaminen oder Mineralstoffen, lassen sich leicht dosieren und sind insbesondere für Menschen geeignet, die feste Tabletten nur schwer schlucken können. Gerade ältere Menschen schätzen diesen Vorteil.
Gelegentlich wird der Natriumgehalt von Brausetabletten kritisch diskutiert. Wissenschaftliche Meinungen ordnen dies durchaus anders ein: „Das Natrium aus Natriumhydrogencarbonat verhält sich anders als Natrium aus Kochsalz und wird deshalb als blutdruckneutral eingestuft.“
Mehr Technologie als man vermutet
Chemisch betrachtet ist der Brauseeffekt schnell erklärt: Zitronensäure trifft auf Natriumhydrogencarbonat. Es entsteht kurzfristig Kohlensäure, die unmittelbar zu Wasser und Kohlendioxid zerfällt. Das sichtbare Sprudeln entsteht durch das entweichende Kohlendioxid.
Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht in der Reaktion selbst, sondern in der Entwicklung einer stabilen Tablette. Neben dem sogenannten Brausesatz enthält eine Brausetablette Vitamine und Mineralstoffe, Presshilfsmittel, Aromen, Süßungsmittel und häufig auch färbende Inhaltststoffe. Hinzu kommen – je nach Produkt – Pflanzenextrakte, Aminosäuren oder z. B. auch Kollagen. „Brausetabletten gehören zu den technologisch anspruchsvollsten Darreichungsformen im Bereich Nahrungsergänzungsmittel“, erklärt Bessen. „Damit sie zuverlässig sprudeln, stabil bleiben und gleichzeitig gut schmecken, sind verschiedene funktionelle Zutaten erforderlich.“
Präzision bei den Rohstoffen
Die eingesetzten Vitamine werden überwiegend synthetisch hergestellt. Daneben existieren auch natürliche Quellen, etwa Vitamin C aus Acerola. Diese erfordern jedoch häufig deutlich größere Einsatzmengen, da der natürliche Vitamingehalt geringer ist.
Bereits bei der Entwicklung einer Rezeptur müssen zahlreiche rechtliche Anforderungen berücksichtigt werden. Dazu gehören Vorgaben zu den zulässigen Zutaten und Mengen ebenso wie lebensmittelrechtliche Anforderungen an Reinheit, Hygiene und Qualitätssicherung. Nutrilo produziert für Deutschland und unterschiedliche internationale Märkte, wofür verschiedene Rechtsvorschriften berücksichtigt werden müssen.

Foto: Kerstin S.
Geschmack ist Präzisionsarbeit
Mindestens genauso anspruchsvoll wie die Rezeptur ist die Sensorik. Viele Vitamine und Mineralstoffe schmecken bitter, metallisch oder leicht seifig. Aromen sorgen deshalb nicht nur für den gewünschten Geschmack, sondern gleichen gleichzeitig unerwünschte Eigengeschmäcker der Inhaltsstoffe aus.
Ein Kirschgeschmack ist nicht einfach nur Kirschgeschmack“, erklärt Bessen. „Schon kleinste Veränderungen im Aromenprofil entscheiden darüber, ob Verbraucher ein Produkt als angenehm empfinden.“ Welche Geschmacksrichtungen bevorzugt werden, unterscheidet sich regional deutlich. Während in Skandinavien Beerenaromen beliebt sind und Südeuropa Zitrusnoten bevorzugt, greifen deutsche Verbraucher nach wie vor häufig zu Orange oder Zitrone. Gleichzeitig wächst das Interesse an neuen Kombinationen wie Himbeer-Limette-Minze oder Kiwi-Drachenfrucht. Besonders erklärungsbedürftig ist hingegen Waldmeister. „Außerhalb Deutschlands und Mitteleuropas kennt kaum jemand diesen Geschmack. Deshalb müssen wir internationalen Kunden häufig erst erklären, was sich dahinter verbirgt“, sagt Bessen schmunzelnd.
Produktion unter besonderen Bedingungen
In Cuxhaven läuft die Produktion rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb. Alle Bestandteile einer Rezeptur beeinflussen die spätere Verpressbarkeit. In modernen Mischanlagen werden Natriumhydrogencarbonat, Zitronensäure sowie weitere Zutaten schonend miteinander vermischt. Korngröße, Dichte und Gewicht der einzelnen Rohstoffe müssen exakt aufeinander abgestimmt sein, damit eine homogene Mischung entsteht.

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Beim Rundgang entstehen gerade Eisen-Brausetabletten für den europäischen Markt. Ein leichter Grapefruitduft liegt in der Luft.
Wurden Anfang der 1990er-Jahre mit einer Presse ca. 10.000 Tabletten pro Stunde hergestellt, produzieren moderne Anlagen heutzutage ein Vielfaches davon.
Qualität bis zum letzten Handgriff
Brausetabletten sind hygroskopisch und ziehen Feuchtigkeit aus der Umgebung an. Bereits geringe Mengen Wasser können die Brausereaktion vorzeitig auslösen. Deshalb erfolgen Produktion und Abfüllung unter streng kontrollierten klimatischen Bedingungen. Zusätzlich befindet sich im Verschluss jedes Röhrchens ein Trockenmittel, das Restfeuchtigkeit bindet.
Während der gesamten Herstellung kontrollieren sowohl Maschinen als auch Mitarbeitende kontinuierlich die Qualität. Neben Laboranalysen werden unter anderem Bruchfestigkeit, Gewicht und Auflöseverhalten geprüft.

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Und selbst modernste Messtechnik ersetzt bis heute nicht den Menschen: Auch das fertige Aroma wird sensorisch bewertet, um dem Kunden eine gleichbleibend hohe Qualität zu sichern. „Menschen sind nach wie vor besser als Maschinen, wenn es darum geht, Geschmacksnuancen zuverlässig zu beurteilen“, sagt Jessica Bessen.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass Brausetabletten weit mehr sind als ein schnell lösliches Nahrungsergänzungsmittel. Hinter jeder einzelnen Tablette steckt ein komplexes Zusammenspiel aus Rohstoffwissen, Lebensmitteltechnologie, Sensorik und Qualitätskontrolle. Dass sie im Wasserglas nach kurzer Auflösezeit ein wohlschmeckendes Getränk ergeben, ist das sichtbare Ergebnis eines hochpräzisen Herstellungsprozesses.

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