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Fakt des Monats: Netzwerk Gesund ins Leben veröffentlicht neue Handlungsempfehlungen für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch

Das bundesweite Netzwerk Gesund ins Leben hat seine 2018 veröffentlichten Handlungsempfehlungen für die Lebensphasen vor und während der Schwangerschaft vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet und aktualisiert1. Die neuen Handlungsempfehlungen vom Juli 2026 beinhalten Empfehlungen zur Ernährung, Bewegung und zu weiteren Gesundheitsaspekten wie beispielsweise Impfungen. So werden der Energie- und Nährstoffbedarf von schwangeren Frauen, auch bei besonderen Ernährungsweisen (vegetarische und vegane Ernährung in der Schwangerschaft), betrachtet und Informationen zum Körpergewicht, zur Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln und zur Allergieprävention zusammengetragen.

Die Handlungsempfehlungen sollen Fachkräften als Grundlage für die Beratung von betroffenen Frauen dienen und werden von allen relevanten deutschen Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Institutionen mitgetragen.

Empfehlungen für den Mikronährstoffbedarf in der Schwangerschaft

Das Netzwerk empfiehlt, dass schwangere Frauen besonders auf die Qualität und Nährstoffdichte ihrer Ernährung achten sollten. Denn der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen in der Schwangerschaft steigt im Verhältnis zum Energiebedarf stärker an. So weisen Schwangere einen höheren täglichen Bedarf der folgenden Mikronährstoffe auf: Vitamin A, Vitamin B6, Vitamin B12, Vitamin C, Folat, Niacin, Riboflavin, Thiamin, Eisen, Jod und Zink.  

Wie lauten die Empfehlungen für die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln?

Nahrungsergänzungsmittel können dabei helfen, die Versorgung mit den wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen vor und während der Schwangerschaft sicherzustellen.

Bei einigen Mikronährstoffen ist die ausreichende Deckung des Bedarfs sogar nur über eine zusätzliche Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel möglich, da der Bedarf nicht über die Ernährung allein gedeckt werden kann. Hier sind v. a. Folsäure und Jod zu nennen. Bei anderen kritischen Mikronährstoffen gilt es zu prüfen, inwieweit in Abhängigkeit der individuellen Ernährungsweise eine Nahrungsergänzung sinnvoll oder gar notwendig ist. 

Folsäure

Folsäure ist einerseits für das Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft notwendig, andererseits hilft es dabei, Neuralrohrdefekten (Fehlbildungen des Gehirns und des Rückenmarks) beim Kind vorzubeugen. Daher sollten Frauen mit konkretem Kinderwunsch das Vitamin besonders im Blick haben. Sie sollten bestenfalls direkt damit beginnen zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung ein tägliches Nahrungsergänzungsmittel mit 400 µg Folsäure oder einer äquivalenten Menge anderer Folate zu verwenden. Dies sollte bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche beibehalten werden. Schwangere Frauen, die nicht mindestens 4 Wochen vor der Empfängnis damit begonnen haben, Folsäure zu supplementieren, sollten täglich 800 µg Folsäure bzw. eine äquivalente Menge anderer Folate bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche ergänzen.

Jod

Frauen, die schwanger sind, sollten täglich über die gesamte Schwangerschaft hinweg zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung ein Jod-Supplement mit 100 bis 150 µg Jod verwenden. Jod ist einerseits für die Produktion von Schilddrüsenhormonen bei der Frau wichtig, andererseits ist auch das heranwachsende Baby von der Jodversorgung der Mutter abhängig.

Docosahexaensäure (DHA)

Die langkettige Omega-3-Fettsäure DHA ist für die kindliche Entwicklung des Gehirns und der Augen essentiell. Daher wird Schwangeren empfohlen, täglich 200 mg DHA aufzunehmen. Dies kann entweder über den Verzehr von fettreichem Meeresfisch (1 – 2 mal pro Woche) oder über die Verwendung eines Nahrungsergänzungsmittels erreicht werden.

Vitamin D

Unter bestimmten Bedingungen ist die Vitamin-D-Eigensynthese des Körpers ausreichend, um die Vitamin-D-Versorgung sicherzustellen. Laut Empfehlungen des Netzwerkes sollten Schwangere täglich 20 μg (800 IE) Vitamin D supplementieren, die sich bei Sonne selten draußen aufhalten oder die ihre Haut weitgehend bedecken bzw. vor Sonne schützen. Diese Supplementierungsempfehlung gilt auch für Schwangere mit dunkler Hautfarbe. Begründet wird dies damit, dass bei diesen Frauen mit einer geringen oder fehlenden Vitamin-D-Eigensynthese zu rechnen ist.  

Eisen

Eisen zählt in Deutschland zu den sogenannten kritischen Nährstoffen bei Frauen, d. h. viele Frauen erreichen die Zufuhrempfehlungen nicht. In der Schwangerschaft ist es besonders wichtig, auf eine ausreichende Eisenzufuhr zu achten, denn der Mineralstoff ist wichtig für u. a. die Blutbildung und das Wachstum von Fötus und der Plazenta. Das Netzwerk Gesund ins Leben rät, Eisen gezielt zu ergänzen, wenn ein Eisenmangel vorliegt.

Wie wird eine vegetarische oder vegane Ernährung während der Schwangerschaft beurteilt?

Das Netzwerk Gesund ins Leben hält eine ausgewogene vegetarische Ernährung, die den Verzehr von Milch(produkten) und Eiern beinhaltet, grundsätzlich für ausreichend zur Deckung des Bedarfs an den meisten Nährstoffen in der Schwangerschaft. Allerdings wird zur Sicherheit eine Ernährungsberatung durch qualifizierte Fachkräfte empfohlen. Schwangere, die sich vegetarisch ernähren, sollten neben Jod und Folsäure auch DHA supplementieren. 

Etwas kritischer fällt die Beurteilung einer veganen Ernährung während der Schwangerschaft aus. Hier sollte eine adäquate Nahrungsergänzung erfolgen, um einem Nährstoffmangel und daraus folgenden Schädigungen der kindlichen Entwicklung vorzubeugen. Grundsätzlich sollten neben Jod und Folsäure auch Vitamin B12 und DHA als Supplemente verwendet werden. Weitere Mikronährstoffe sollten bei Bedarf ergänzt werden. 

1: Alaze-Hagemann F. et al. (2026): „Ernährung, Bewegung und weitere Gesundheitsaspekte vor und während der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben 2026“

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